Alles überall auf einmal
von Miriam Meckel & Léa Steinacker
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Die Autorinnen führen zu Beginn ein, wie KI entstanden ist, was zu verstehen hilft, wie KI überhaupt funktioniert. Erstaunlicherweise stagnierte die weltweite Produktivität trotz rasantem technischen Fortschritt - ob und wie KI unsere Wirtschaft und unsere Arbeitswelt beeinflusst, ist abhängig davon, wie wir jetzt die Weichen stellen.
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Überraschenderweise stehen die gutbezahlten Jobs, die eine Tertiärausbildung voraussetzen, als eher gefährdet dar, da sie im Gegensatz zu handwerklichen Berufen immer mehr durch KI ersetz werden könnten.
Hierzu gilt anzumerken, dass KI mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet und deshalb manchmal zu falschen Ergebnissen kommt. Und sobald die Menschen den Maschinen (zu viel) Vertrauen schenken, kann es gefährlich werden.
Eine wichtige Rolle spielt dieser Faktor auch in der Medienwelt: Fake-News und Deepfakes nehme neue Dimensionen an und lassen kaum noch zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Dies schadet der Meinungsbildung und der Demokratie. "Infocalypse" meint, wenn Falsch-, Des- und Fehlinformationen den öffentlichen Diskurs beeinflussen, so dass die Wahrheit nicht mehr erkennbar ist.
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KI nimmt keine Rücksicht auf Diversität, da dem Datengrundsatz, auf welchem KI-Modelle basieren, die dazu notwendigen Informationen fehlen. Dies führt wiederum zur Reproduktion von Vorurteilen und Rollenbildern, was einen grossen Schritt zurück statt vorwärts bedeutet.
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Als Sozialarbeiterin hat mich das Thema "moralisches Outsourcing" interessiert: Können wir moralische Entscheidungen, darunter auch, wer Sozialhilfe erhält, KI überlassen? In solchen Einsatzfeldern müssen Entscheidungen nachvollziehbar sein können, weshalb von der KI verlangt werden muss, ihren Entscheid situativ begründen zu können, was sie jedoch (noch) nicht kann.
In Zukunft wird es immer schwieriger zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden, weshalb wir bzw. die Politik die notwendigen Gesetzesgrundlagen dazu schaffen müssen und zwar länderübergreifend. «Worldcoin» hat in der Zwischenzeit ein Tool erfunden, mittels welchem die Identität der Menschen gewährleisten werden soll, indem die Iris eingescannt wird.
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KI und ihre Rechenleistung verbrauchen eine Unmenge von natürlichen Ressourcen, deren Ausmass mir zuvor nicht bewusst war.
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"Wie müssen jetzt entscheiden, wie wir Künstliche Intelligenz einsetzen wollen und welche Bedingungen dafür gelten sollen. Das ist eine echte Entscheidung, die eine Kombination aus Datenanalyse, Erfahrung und Intuition verlangt - und sie könnte eine der wichtigsten Entscheidungen der jüngsten Menschheitsgeschichte werden" (S. 281).
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Wo ziehen wir die Grenzen zwischen Mensch und Maschine? Wie sieht unser Leben in 20 Jahren aus und welchen Platz wird KI darin einnehmen? Werden die Menschen täglich von einem persönlichen KI-Roboter begleitet? Schaffen wir es KI als bereicherndes Hilfsmittel zu nutzen oder schreiben wir der KI Wissen und Macht zu, über welche sie gar nicht verfügt, und lassen unser Leben von fehlerhaften Algorithmen bestimmen?
Ich persönlich schliesse mich den Gedanken von Tiago Forte an: Es ist frustrierend zu sehen, dass die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen an Notwendigkeit und Anerkennung verlieren. Zudem scheint die menschliche Kreativität bedroht. Des Weiteren müssen immer mehr Medienberichte und Informationen aller Art der Richtigkeit unterzogen werden, was das Vertrauen gegenüber anderen Menschen, Institutionen, Behörde und Maschinen senken lässt
Fakt ist, wir kommen nicht drum herum uns vertiefter mit KI auseinanderzusetzen, weshalb ich dieses Buch allen Menschen weiterempfehle. Unabhängig davon, ob die Person KI bereits kennt oder nicht – in den kommenden Jahren wird KI Einfluss auf unser aller Leben haben.
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